Bezirk

Aufbruchstimmung statt Spaltung

4. Mai 2024

Die befürchtete Spaltung der weltweiten Methodistenkirche ist ausgeblieben. Stattdessen erlebten die Delegierten eine neue Bereitschaft zur Einheit in der Verschiedenheit.

Die pandemiebedingt vom Jahr 2020 ins Jahr 2024 verschobene Generalkonferenz der United Methodist Church (UMC) ist Geschichte. Am gestrigen Freitag, den 3. Mai, fand der letzte Sitzungstag des höchsten Kirchenparlaments der UMC statt, an dem vor allem der kirchliche Haushalt im Mittelpunkt stand.

Neue Hoffnung für die Zukunft

Nach dem Abschluss der Tagung wandte sich der Bischofsrat unter der Leitung der neuen Vorsitzenden, Bischöfin Tracy S. Malone, an die Öffentlichkeit. «Für die Evangelisch-methodistischen Kirche gibt es eine große Hoffnung für die Zukunft», erklärt die neue Präsidentin zusammen mit ihrem Vorgänger, Bischof Thomas J. Bickerton.

Malone, die in den Vereinigten Staaten als Bischöfin für die Jährliche Konferenz Ost-Ohio zuständig ist, zitiert in der Botschaft einen Vers aus dem Prophetenbuch Jesaja (Kapitel 43, Vers 19): «Siehe, ich will ein Neues schaffen, jetzt wächst es auf, erkennt ihr‘s denn nicht? Ich mache einen Weg in der Wüste und Wasserströme in der Einöde.» «Gott halte trotz der Probleme einen Weg für die Kirche bereit.»«Es ist ein Weg voller Freude und Hoffnung, ein Weg voller großer Erwartung, was die Kirche im Namen Jesu Christi, unseres Herrn, sein kann», so Malone, die erst am Mittwoch dieser Woche die Präsidentschaft für den Bischofsrat übernahm.

Mit Bezug auf die wegweisenden Beschlüsse während der Generalkonferenz erklärte Malone: «Unsere Einheit in Christus und unsere Verbundenheit als Evangelisch-methodistische Kirche überwinden Geografie, Grenzen, Barrieren und Unterschiede.» Das gebe nach den vielen Auseinandersetzungen in den letzten Jahren  «neue Hoffnung und einen neuen Fokus im Leben unserer Kirche».

Rückblick und Aufbruch

Stefan Zürcher, der Bischof für die Zentralkonferenz Mittel- und Südeuropa und auch für die Schweiz zuständig, war besonders von der «guten Atmosphäre und der wertschätzenden Gesprächskultur”» überrascht, die diese von vorhergehende Generalkonferenzen unterschied. Es seien Entscheidungen getroffen worden, die grosse Veränderungen in Gang setzen, wie er in einem Grusswort mitteilte.

So sei mit grosser Mehrheit ein Vorschlag zur Regionalisierung angenommen worden, der das Recht der verschiedenen Weltregionen stärkt, Teile der Kirchenordnung an ihre jeweiligen Gegebenheiten anzupassen, so Stefan Zürcher weiter. Das ermögliche, die jeweilige Arbeit noch besser dem von Land zu Land verschiedenen Kontext anzupassen. Die bisherige, starke Konzentration der UMC auf die Situation der Kirche in den USA, sei damit zur Sicht einer weltweit tatsächlich gleichberechtigten Kirche verändert worden, hält Zürcher fest.

Qualifizierende Aussagen zur sexuellen Orientierung werden in der Kirchenordnung nicht mehr gemacht und nach in Krafttreten der neuen Bestimmungen können auch homosexuelle Menschen ordiniert werden, erklärt Zürcher. Auch die revidierten Sozialen Grundsätze ermöglichen den einzelnen Zentralkonferenzen nun, die Definition der Ehe und und die Anforderungen an Bewerberinnen und Bewerber für die Ordination selbst festzulegen und diese Kompetenzen auch an ihre jeweiligen Jährlichen Konferenzen zu übertragen, so Zürcher.

Unterschiedliche Gefühle, Gedanken und Reaktionen

Nach der Zustimmung der Generalkonferenz müssen die meisten der Anträge zu Regionalisierung auch noch durch Jährlichen Konferenzen weltweit bestätigt werden. Für die Ratifizierung ist es erforderlich, dass mindestens zwei Drittel der Stimmberechtigten der Jährlichen Konferenzen die Änderungen unterstützen. Erste Abstimmungen werden ab Juni beginnen. Der Bischofsrat wird das Ergebnis der Abstimmung voraussichtlich Ende nächsten Jahres bekannt geben.

Dee Stickley-Miner, Delegierte der West Ohio Conference und Mitglied des Ständigen Ausschusses für Angelegenheiten der Zentralkonferenz, ist überzeugt, dass die Regionalisierung letztlich die Verbindung innerhalb der weltweiten UMC stärken wird. «Sie wird es uns ermöglichen, einander zu vertrauen und uns gegenseitig Freiheiten zu geben, ohne zu versuchen, einander etwas vorzuschreiben», sagte sie gegenüber dem methodistischen Nachrichtenportal United Methodist News. «Das ist ein Weg, die Gnade Jesu Christi zu leben.»

Bischof Zürcher ruft dazu auf, im Wissen um die unterschiedlichen Überzeugungen weiterhin achtsam und wertschätzend miteinander umzugehen, einander zu unterstützen und voneinander zu lernen. Denn: «Wir brauchen einander und tun einander gut.»

Klaus Ulrich Ruof, EmK Deutschland/ es
Beitragsbild: Der Funke der Zuversicht und Dankbarkeit springt über: Nach dem Morgengottesdienst am letzten Tag der Generalkonferenz Charlotte (USA) singen und tanzen die Generalkonferenzdelegierten gemeinsam zu «Love Train» eine Freuden-Polonaise. (Foto: Mike DuBose, UM News)

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Die Generalkonferenz
Die Generalkonferenz ist das oberste Leitungsgremium der weltweiten Methodistenkirche (🔗United Methodist Church). Die Konferenz kann das Kirchenrecht revidieren und Resolutionen zu aktuellen moralischen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen Fragen verabschieden. Sie genehmigt auch Programme und Budgets für kirchenweite Aktivitäten.
🔗Vom 23. April bis zum 3. Mai 2024 tagte die Generalkonferenz in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina.

 

Zentralkonferenz
In Afrika, Europa und auf den Philippinen bilden die Jährlichen Konferenzen (Kirchenparlamente) einer grösseren Region sogenannte Zentralkonferenzen. Die an eine Zentralkonferenz entsandten Delegierten sind zu gleichen Teilen Laien und pastorale Mitglieder. Die Zentralkonferenz bildet eine administrative Einheit, die die gemeinsame Arbeit und Mission koordiniert und auch ihren Bischof oder ihre Bischöfin wählt. Die Jährliche Konferenz Schweiz-Frankreich-Nordafrika ist Teil der 🔗Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa (ZK MSE). Seit 2022 leitet Bischof Stefan Zürcher (Zürich) die ZK MSE.