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Besuch bei einer Spar- und Leihgruppe in der Provinz Kampong Chhnang (Bild: Ulrich Bachmann)

Zwischen Hoffnung und Bangen in Kambodscha

7. Mai 2024

Die Methodistenkirche in Kambodscha hat drei sehr schwierige Jahre hinter sich. Trotzdem sind die Verantwortlichen hoffnungsvoll. Denn viele junge Menschen übernehmen in der Kirche Verantwortung, setzen sich für andere ein und haben eine Vision für ihr Land.

Im März fand eine mehrtägige Konsultation der Methodistenkirche in Kambodscha mit den Partnerorganisationen in Phnom Penh statt. Vertreten war auch Connexio hope and develop, das Hilfswerk der Methodist:innen in der Schweiz. Die gemeinsame Zeit gab Einblick in die Situation der Menschen in Kambodscha und bot Gelegenheit, mit Personen in Kontakt zu kommen, die sich voller Hoffnung für das Land engagieren.

Der Wirtschaftsmotor läuft

Auf den ersten Blick erweckt die Hauptstadt Phnom Penh den Eindruck, dass Kambodscha die Folgen der Pandemie überstanden hat. Vielerorts wird gebaut und investiert. Es entstehen neue Bürokomplexe und grosse Wohnsiedlungen, die für die meisten Menschen des Landes unbezahlbar bleiben. Auch wenn die aktuellen Zahlen auf ein beeindruckendes Wirtschaftswachstum hinweisen, bleibt die Situation schwierig.

Der Tourismus, ein zunehmend wichtiger werdender Wirtschaftszweig, kam während der Pandemie praktisch zum Erliegen. Im Jahr 2023 betrug die Anzahl Touristen erst etwa die Hälfte derer von 2019. Zudem schlossen in den letzten Jahren einige Textilfabriken. Für die entlassenen Menschen ist es problematisch, neue Arbeit zu finden.

Zunehmende Ungleichheit

Während sich die Situation für Menschen in den Städten verbessert hat, ist das Leben in ländlichen Gebieten nach wie vor schwierig. Fast 80 Prozent der Bevölkerung lebt auf dem Land, rund 65 Prozent davon vom Fischfang oder der Land- und Forstwirtschaft. Gerade dort, wo Nahrungsmittel produziert werden, leiden rund 20 Prozent der Bevölkerung unter Mangelernährung. Dazu kämpfen sie mit extremen Wettervorkommnissen, tiefen Abnehmerpreisen für die landwirtschaftlichen Produkte und Inflation.

So helfen Sie mit
🔗Connexio develop unterstützt seit mehreren Jahren das integrierte ländliche Entwicklungsprogramm der Methodistenkirche in Kambodscha. Ausgehend von den Spar- und Leihgruppen werden verschiedene Aktivitäten im Bereich Landwirtschaft, Handwerk und Wiederverkauf gefördert. Zusätzlich werden die Gruppen dabei unterstützt, ihre Existenzgrundlagen den klimatischen Veränderungen anzupassen.
Connexio develop, Zürich, CH44 0900 0000 1574 7157 9, Vermerk «Kambodscha».
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Kirche vor grossen Herausforderungen

Auch die Methodistenkirche spürt die gegensätzliche Entwicklung. Einerseits hat sie es geschafft, die Einnahmen auf das Niveau vor der Pandemie zu bringen. Andererseits wird es immer schwerer für die Pfarrpersonen, ihren Lebensunterhalt zu bestreiten. Das durchschnittliche Monatseinkommen im Land beträgt circa 280 US-Dollar. Das Gehalt einer Pfarrperson hingegen nur etwa die Hälfte davon. Um ihre Existenz zu sichern, arbeiten sie zusätzlich. Pfarrer Lun Sophy, der aktuelle Präsident der kambodschanischen Methodistenkirche, sagt, dass diese Situation für die Kirche nicht förderlich ist, denn ohne volle Aufmerksamkeit kann sie sich nicht weiterentwickeln. Die Kirche finanziert rund ein Drittel des Gesamthaushalts durch eigene Mittel. Bleibt die Unterstützung der Partnerorganisationen gleich oder sinkt leicht, können die Gehälter nicht erhöht werden. Was zum Nachwuchsproblem führt.

Anderen Menschen dienen

Der Ausschuss für soziale Anliegen der Methodistenkirche verantwortet das integrierte ländliche Entwicklungsprogramm. Leng Thy, der Koordinator des Programms, begleitet zusammen mit 13 Freiwilligen die 28 Kommunen, die mit dem Programm zusammenarbeiten. Srey Mom, eine junge Frau aus der Provinz Kampong Chhnang, begleitet und unterstützt verschiedene Kommunen in der Nähe ihres Wohnorts. Sie sagt, dass es zu ihrem Glaubensverständnis gehöre, anderen Menschen zu dienen. Es sei motivierend zu sehen, dass die Kommunen ihre Lebensbedingungen verbessern können, wenn sie zusammenarbeiten und eine gemeinsame Vision entwickeln. Aber sei es auch frustrierend, aushalten zu müssen, wenn dies nicht gelinge. 

Nicht entmutigen lassen

Schon vor der Pandemie wurden die Verantwortlichen innerhalb der Kirche auf die engagierte junge Frau aufmerksam. Sie konnte für acht Monate an einer landwirtschaftlichen Weiterbildung in Japan teilnehmen. Ihre damals geringen Englischkenntnisse hielten Srey Mom nicht davon ab, hinzureisen. Nach der Weiterbildung hätte sie eine Stelle in einer nahestehenden Organisation bekommen sollen. Die Pandemie vereitelte jedoch diese Pläne. Srey Mom lies sich aber nicht entmutigen, baute einen eigenen Verkaufsladen auf und wurde Mitglied des Ausschusses.

Die Gespräche mit verschiedenen Gruppe bringen klar zum Ausdruck, dass ihr Ansporn sehr gern gesehen wird. Die Mitglieder der Spar- und Leihgruppen in den Kommunen sind mehrheitlich Frauen und schätzen es sehr, von Srey Moms Erfahrungen zu profitieren.

Ulrich Bachmann / es
Bild: Besuch bei einer Spar- und Leihgruppe in der Provinz Kampong Chhnang (Foto: Ulrich Bachmann)

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