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Bild: Eine gelb gekleidete, dunkelhäutige Frau mit einer Brille steht hinter einer Kanzel, an der ein Transparent angebracht ist, das Klimagerechtigkeit fordert.

Mehr für «Klimagerechtigkeit» tun!

13. Mai 2024

An der Generalkonferenz der United Methodist Church haben die Delegierten Beschlüsse zur «Klimagerechtigkeit» gefasst. Ein Vorstoss, der verlangte, dass Institutionen der methodistischen Kirche verpflichtet werden, sich von Aktien fossiler Unternehmen zu trennen, war nicht erfolgreich.

Vom 23. April bis zum 3. Mai tagte die 🔗Generalkonferenz, das oberste Leitungsgremium der United Methodist Church, in Charlotte im US-Bundesstaat North Carolina. In der zweiten Sitzungswoche entschieden die Delegierten auch über Vorlagen, die die Kirche auf allen Ebenen zu mehr klimagerechtem Handeln ermutigen.

Nicht mehr in fossile Energieträger investieren?

Keine Änderung nahmen die Delegierten dagegen an einem grundlegenden Artikel der Kirchenordnung vor, durch den methodistische Einrichtungen verpflichtet worden wären, sich von Investitionen in fossile Energieträger zu trennen.

Vor allem ging es dabei um das Engagement von 🔗Wespath Benefits and Investments. Diese Einrichtung verwaltet als Pensionskasse und Krankenversicherung für Angestellte der methodistischen Kirche Vermögenswerte von über 26 Milliarden US-Dollar.

Wespath
In den USA gehört Wespath zu den grössten nicht-staatlichen Renten- und Krankenversicherern und weltweit zu den grössten kirchlichen Rentenversicherern. Die Einrichtung betreut mehr als 100 000 aktive und pensionierte Pfarrpersonen und andere kirchliche Mitarbeiter:innen sowie mehr als 150 institutionelle Anleger:innen aus dem Umfeld der United Methodist Church.
Aktien von Unternehmen, die fossile Energieträger verarbeite, machen nur einen geringen Prozentsatz des Portfolios aus. Dies beinhaltet jedoch immer noch millionenschwere Beteiligungen an Unternehmen wie Exxon, Chevron und Occidental Petroleum.
Die Pensionsgelder für Angestellte der methodistischen Kirche in der Schweiz werden nicht durch Wespath verwaltet. Hier gibt es eine eigene nationale Lösung zusammen mit der 🔗Sammelstiftung Secunda.

Vorstoss mit Petition unterstützt

Die Aktionsgruppe «Fossil Free UMC» und andere Aktivist:innen hatten einen 🔗Antrag an die Generalkonferenz eingereicht, der als Teil des Kirchenrechts festschreiben wollte, dass methodistische Institutionen nicht in Unternehmen aus dem fossilen Bereich investieren dürfen. Im Vorfeld der Generalkonferenz hatten sie ausserdem mit einer Petition Unterschriften gesammelt, um dem Antrag noch mehr Gewicht zu verleihen.

Dran bleiben statt aussteigen

Einige andere Kirchen, darunter die Methodistische Kirche in Grossbritannien, haben sich aus Sorge um die globale Erwärmung für den Ausstieg aus Aktien fossiler Unternehmen entschieden. Wespath seinerseits hat verschiedene Nachhaltigkeitsinitiativen, lehnte jedoch den Verkauf von Aktien fossiler Brennstoffe ab. Die kirchliche Organisation 🔗argumentiert, dass sie das Verhalten dieser Unternehmen besser beeinflussen könne, wenn sie mit ihnen «am Tisch sitzt».

Am letzten Tag der Generalkonferenz stimmten die Delegierten über mehrere Petitionen ab. Dabei wurde auch beschlossen, keine Änderungen am Kirchenrecht vorzunehmen. Damit wurde den Hoffnungen von Fossil Free UMC auf einen kurzfristigen Ausstieg aus fossilen Brennstoffen eine Absage erteilt.

Politisch Einfluss nehmen

An den Tagen davor wurden hingegen andere Vorlagen zum Thema der Klimagerechtigkeit angenommen. So weist eine Bestimmung die Verantwortlichen für kirchliche Liegenschaften an, Möglichkeiten zu prüfen, wie der Grundbesitz «wieder in Einklang» mit Gottes Schöpfung gebracht werden kann. Ausserdem werden methodistische Kirchgemeinden und Einrichtungen aufgefordert, Pläne für die Nutzung erneuerbarer Energiequellen zu entwickeln.

Methodist:innen und die methodistische Kirche in den einzelnen Ländern werden aufgerufen, legislative und politische Bemühungen zu unterstützen, um die Treibhausgasemissionen «bis zu einer Netto-Null-Grenze und darüber hinaus» zu reduzieren.

Veränderungen anstossen

Neu soll es ausserdem in jeder Jährlichen Konferenz (Kirchenparlament, das ein oder mehrere Länder umfasst) eine:n Koordinator:in für die Bewahrung der Schöpfung geben. Jährliche Konferenzen sollen darüber hinaus ihren Energieverbrauch überprüfen und reduzieren. Methodistische Kirchgemeinden werden ermutigt, jährlich den CO2-Fussabdruck ihrer Liegenschaften und Einrichtungen zu kontrollieren.

Methodistische Kirchgemeinden werden zudem aufgefordert, «green teams» einzurichten oder zu verstärken. Diese Teams sollen nachhaltige Veränderungen in den Kirchgemeinden anstossen und umsetzen, andere aufklären und einbeziehen, innovative Ideen austauschen und in ihrer Umsetzung Erfahrungen sammeln.

Grundlegende Entscheide

«Wir begrüssen es sehr, dass diese Generalkonferenz so viele Petitionen angenommen hat, die uns zu einem besseren Umgang mit Gottes Schöpfung auffordern», sagte Pfarrer Pat Watkins, ein führender Vertreter der Bewegung für Schöpfungsgerechtigkeit UMC. «Als Methodistinnen und Methodisten haben wir den biblischen Auftrag, nicht nur in Beziehung zueinander zu stehen, sondern auch in einer sorgenden und heilenden Beziehung zur Schöpfung», fügte er hinzu. «Für die Schöpfung Sorge zu tragen ist die Grundlage dafür, was es bedeutet, Nacholgerin oder Nachfolger Jesu Christi zu sein. Die Schöpfung zu verletzen, verstösst gegen unser biblisches und methodistisches Erbe und erschwert es, menschliches Leid zu lindern. Denn eine leidende Erde verursacht unglaubliches Leid für Millionen von Menschen, die Gott gehören.»

S.F. / Quelle, Neill Caldwell und Sam Hodges, UM News
Beitragsbild: Musa Dube, renommierte Professorin für Neues Testament an der Candler School of Theology in Atlanta, predigte während einer Mahnwache für die Schöpfung am 22. April anlässlich des «Earth Days». Die Versammlung fand in der First United Methodist Church of Charlotte statt, einen Tag bevor die Generalkonferenz der UMC ihre Arbeit aufnahm. (Foto: Paul Jeffrey, UM News)

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Die Generalkonferenz
Die Generalkonferenz ist das oberste Leitungsgremium der weltweiten Methodistenkirche (🔗United Methodist Church). Die Konferenz kann das Kirchenrecht revidieren und Resolutionen zu aktuellen moralischen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen Fragen verabschieden. Sie genehmigt auch Programme und Budgets für kirchenweite Aktivitäten.

 

Zentralkonferenzen
In Afrika, Europa und auf den Philippinen bilden die Jährlichen Konferenzen (Kirchenparlamente) einer grösseren Region sogenannte Zentralkonferenzen. Die an eine Zentralkonferenz entsandten Delegierten sind zu gleichen Teilen Laien und pastorale Mitglieder. Die Zentralkonferenz bildet eine administrative Einheit, die die gemeinsame Arbeit und Mission koordiniert und auch ihren Bischof oder ihre Bischöfin wählt. Die Jährliche Konferenz Schweiz-Frankreich-Nordafrika ist Teil der 🔗Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa (ZK MSE). Seit 2022 leitet Bischof Stefan Zürcher (Zürich) die ZK MSE.