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Bild: An einem Rednerpult steht eine freundlich lächelnde Frau mit dunklen Haaren und einem dunklen Jacket mit Blumenmuster.

«Das Selbst ist unglaublich wichtig!»

21. Mai 2024

Am 16. Mai hat Prof. Dr. Esther Merget ihre Antrittsvorlesung an der Theologischen Hochschule Reutlingen gehalten. Sie sprach über «Das Selbst im Wandel – Übergänge im Lebenslauf und die Rolle der Sozialen Arbeit und Diakonie».

Ein heftiges Gewitter zog über Reutlingen, was die Zuhörer:innen jedoch nicht daran hinderte, sich in die Kirche der Baptistengemeinde in Reutlingen (D) aufzumachen, um die neue Professorin für Soziale Arbeit und Diakonie mit Schwerpunkt Theorien, Methoden und Konzepte im Kontext der Generationen zu hören. Weil die Aula der 🔗Theologischen Hochschule Reutlingen, der Ausbilgunsstätte der methodistischen Kirche im deutschsprachigen Raum, zur Zeit umgebaut wird, hatte die benachbarte Kirche Gastrecht erteilt – und eine zahlreiche Hörer:innenschaft hat davon Gebrauch gemacht.

Sich auf Neues einlassen

Esther Merget betonte, Übergänge wie der Eintritt in den Kindergarten, in die Schule und in den Beruf begleiteten und prägten den Lebenslauf und nötigten dazu, sich von Vertrautem zu verabschieden und sich auf Neues einzulassen. Mit vielen Beispielen aus der Praxis unterlegte sie ihre These und zeigte auf, dass diese Übergänge selten bruchlos vonstatten gehen.

Betroffen sei das «Selbst», das sie als das Bild, das wir von uns haben, und den Wert, den wir uns selbst zuschreiben, zu verstehen gab. Dieses Selbst entwickle sich von Geburt an über die gesamte Lebensspanne und beeinflusse unser situatives Verhalten massgeblich.

Unterstützung für das Selbst

Gerade in der heutigen Zeit, die von ständigen Umbrüchen geprägt sei, fuhr Merget fort, verliefen Lebenswege selten linear, vielmehr komme es immer wieder zu unerwarteten Kreuzungen. Damit sich das Selbst dabei positiv entwickeln könne und Handlungssicherheit gewährleistet bleibe, sei Unterstützung durch Soziale Arbeit und Diakonie zwar nicht zwingend, sicher aber hilfreich.

Angebote der Sozialen Arbeit könnten den Werdeprozess des Selbst stärken, müssten jedoch nicht bloss initiiert und zur Verfügung gestellt werden, sondern bei der Person selbst ansetzen. Ein klares Votum für inklusive Arbeit. Gelinge die Stärkung des Selbstwertgefühls kontinuierlich und forme sich dadurch das Wissen, auch schwierige Situationen meistern zu können, dann gelänge auch die Bewältigung des nächsten, wiederum oft nicht einfachen Übergangs.

Übergänge als Chancen

Obwohl das Selbst an sich eine seit langem bekannte Grösse sei, werde es in der praktischen Arbeit noch immer zu marginal behandelt – «dabei ist das Selbst doch so wichtig», wie Merget mit Nachdruck und Überzeugung betonte. Bei bewusstem und konsequentem Einbezug der Entwicklung des Selbst würden, so die Referentin, Übergänge und biographische Veränderungen, gerade auch dann, wenn sie sich als Krisen und Brüche ereigneten, zur Chance für die eigene Weiterentwicklung.

Mit grossem Applaus dankte das Publikum der Referentin und liess sich beim folgenden Stehempfang auch nicht durch das mittlerweile tobende Gewitter stören. Wer durch Vorträge wie diesen in seinem Selbst gestärkt wird, lässt sich nicht von der Aussicht auf eine durchnässte Heimkehr schrecken, sondern geniesst den Augenblick als Gegenwart der Freude.

Christoph Schluep, Theologische Hochschule Reutlingen
Beitragsbild: Esther Merget während ihres Vortrags. (Foto: C.Schluep, TH Reutlingen)

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