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Bild: Esther Richner-Kämpf

Gott als Kompass und Ziel des Lebens

21. Mai 2024

Am 22. April 2024 ist Esther Richner-Kämpf im Alter von 96 Jahren gestorben. In einem von Höhen und Tiefen gezeichneten Leben wusste sie sich von Gott getragen.

Esther Richner-Kämpf kam am 28. Mai 1927 als erste von drei Töchtern von Emilie Vollmer und Willi Bickel in Basel zur Welt. Ihre hatte eine Ausbildung im Bereich Hauswirtschaft absolviert, ihr Vater war Prediger in der Methodistenkirche. Kurz nach dem Start ihrer Kindergartenzeit stand der Umzug ins französischsprachige Genf an. Früh erkrankte ihre Mutter an Mutlipler Sklerose. So wurden die Kinder oft von Haushaltslehrtöchtern betreut.

1941 wurde ihr Vater nach Basel versetzt. Der Schul- und Sprachwechsel stellte eine grosse Herausforderung für die ganze Familie dar. Nach drei Jahren am Gymnasium musste Esther die Schule verlassen, um mit ihren Geschwistern bei der Pflege ihrer zunehmend bettlägerigen Mutter zu helfen.

Sie absolvierte ein Haushaltungslehrjahr bei ihrer Mutter. Anschliessend erlernte sie den Beruf der medizinischen Laborantin und arbeitete in der psychiatrischen Universitätsklinik Friedmatt. Ergänzend besuchte sie medizinische Kurse an der Uni, gab in ihrer Freizeit Sonntagsschule und arbeitete in der Jugendgruppe mit.

1951 heiratete sie Erich Kämpf, auch er Prediger in der Methodistenkirche. Dem Paar wurden eine Tochter und fünf Söhne geschenkt.

Mit Freude und Engagement half Esther bei der Gemeindearbeit mit zunächst in Glattbrugg, danach in St.Imier, in Herisau und ein Jahr in Wipkingen Zürich. Neben der täglichen Arbeit in der Gemeinde wurden Ferienlager organisiert, ein Kinderheim unterstützt, aber auch angehende Prediger ausgebildet und verköstigt – und so vieles mehr.

In Wipkingen nahm sich Erich Kämpf das Leben. Esther Richner-Kämpf beschreibt diesen tiefen Einschnitt in ihr Leben: «Nach einem Jahr in der Gemeinde Zürich 10 geschah das Unfassbare: Mein Mann litt seit mehreren Jahren an schweren Depressionen und schied 1972 freiwillig, doch wissend, dass ihn Gott annehme, aus dem Leben. Nun galt es, eine Wohnung zu suchen, sich einzuschränken und mit den Kindern den Weg so positiv wie möglich zu gehen.»

Sie fand eine Wohnung in einer Siedlung für kinderreiche Familien im Friesenberg. Zunächst arbeitete sie in der EMK-Gemeinde Zelthof. Danach fand sie in der Maternité Inselhof-Triemli eine neue Anstellung als Betreuerin des Wohnheims für ledige Mütter.

Während einer Kirchenkonferenz in Zofingen traf sie ihre Jugendbekanntschaft Heini Richner wieder. Im März 1980 heirateten die beiden auf dem Staufberg. Mit ihm durfte sie mehr als 28 glückliche Jahre verbringen.

Nach dem Tod von Heini (2008) allein zu wohnen, bedeutete nach mehr als achtzig Lebensjahren einen weiteren Neustart. Gartengemeinschaften, Glaube und Kirche, Lesen, Reisen, Orgel spielen, Familie, Grosskinder, Freunde, Nachbarn oder andere Besuche empfangen, gaben ihrem Alltag Farbe.

Eine erste Hirnblutung und ihr fortschreitendes Alter brachten einige Einschränkungen für Esther Richner-Kämpf. Der Alltag in Haus und Garten gestaltete sich immer herausfordernder. Im Anschluss an ihre zweite Hirnblutung bezog sie eine Alterswohnung im Tertianum im Lenz. Am 22. April 2024 hat sich ihr Lebenskreis geschlossen und Esther Richner-Kämpf ist nach einem langen, reich erfüllten Leben friedlich eingeschlafen.

«In jungen Jahren, in Zeiten des Ringens und Suchens, wurde mir klar, dass ich mein Leben mit Jesus Christus gehen wollte. Mein Leben hat somit Kompass und Ziel gefunden. Ich wurde durch Tiefen und Höhen von Gott getragen und weiss, dass der Tod ein Übergang in Gottes Welt ist», schreibt sie in ihrem Lebenslauf.

Beat Kämpf / S.F.
Beitragsbild: Esther Richner-Kämpf (Foto: zVg, privat)