Bezirk
Bild: Zahlreiche Personen sitzen an Tischen in einem Raum und heben mit einer Hand farbige Karten in die Höhe.

Weit­reichende Beschlüsse in heraus­fordernden Zeiten

11. Juni 2024

Vom 6. bis 9. Juni tagte die Ostdeutsche Jährliche Konferenz, das Kirchenparlament der methodistischen Kirche für einen grossen Teil Ostdeutschlands, im Kulturhaus der Erzgebirgsstadt Aue. Neue kirchliche Strukturen, die knapper werdenden Finanzen und ein Wort zur aktuellen politischen Situation waren wichtige Themen.

Mit grosser Mehrheit haben die Konferenzmitglieder an ihrer Tagung ein 🔗Wort an die Gemeinden anlässlich der anstehenden Wahlen im September für die Landtage von Brandenburg, Sachsen und Thüringen verabschiedet. «Angesichts der grossen gesellschaftlichen und politischen Herausforderungen ist es unverzichtbar, miteinander im Gespräch zu sein», heisst es darin mit Verweis auf das Jesuswort, Salz der Erde und Licht der Welt zu sein.

Abgrenzung ist keine Lösung

Im Blick auf Skepsis und Kritik am demokratischen System betont das Wort an die Gemeinden: «Hass gegenüber Menschen, Erniedrigung und persönliche Demontage von Verantwortungsträgern sind mit dem christlichen Glauben nicht vereinbar.» Angesichts vieler Herausforderungen sei Abgrenzung keine Lösung. «Aus der DDR-Geschichte wissen wir, dass Abschottung, ob nach innen oder aussen, auf Dauer keinen Bestand hat. Dass Mauern fallen, ist eine heilsgeschichtliche Erfahrung.»

Mit grosser Sorge ist vom «Wiedererstarken längst überwunden geglaubter rassistischer Gedanken und Handlungsmuster in neuen Ausführungen» die Rede. Dabei sehr erschreckend, «dass frühere politische Denkmuster des Nationalsozialismus oder des DDR-Regimes immer mehr Verbreitung finden».

Für Christ:innen «nicht wählbar»

Im Mittelpunkt von Wahlentscheidungen müsse «die unantastbare Würde des Menschen» stehen. «Sie ist nicht nur nach unserem Grundgesetz oberste Richtschnur staatlichen Handelns, sondern auch Ausdruck des christlichen Glaubens, der den Menschen als Ebenbild Gottes versteht.» Deshalb, so heisst es weiter, «sind für uns Christen die AfD und weitere rechtsnationale Parteien nicht wählbar», weil sie mit ihren Haltungen die Menschenwürde angriffen und «deshalb mit dem christlichen Glauben unvereinbar» seien.

Gleichzeitig lädt «das Wort» zum «ehrliche(n) Gespräch miteinander» ein. Kritik an der Regierung oder der Opposition würden dazugehören. Es brauche aber auch «Demut und Geduld angesichts der komplizierten Herausforderungen unserer Zeit». Nicht zuletzt gehöre dazu das Gebet, «auf dass wir in Frieden leben können – und unsere Mitmenschen auch».

Zur Information
Die Ostdeutsche Jährliche Konferenz ist ein Kirchenparlament der 🔗Evangelisch-methodistischen Kirche in Deutschland. Ihr Gebiet umfasst die Bundesländer Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt und gliedert sich in die kirchlichen Distrikte Zwickau und Dresden. Das Parlament hat rund 160 Mitglieder. Es ist zuständig für rund 110 Gemeinden in 45 kirchlichen Bezirken mit rund 10 700 Kirchengliedern und Kirchenangehörigen (Stand: 31.12.2023).

Räumlich zusammenarbeiten

Bei der Konferenztagung in Aue fassten die Mitglieder der Ostdeutschen Jährlichen Konferenz ausserdem Beschlüsse zur Reorganisation der kirchlichen Arbeit. So sind einige der Kirchenbezirke neu in «Kooperationsräumen» zusammengefasst. Auf diese Weise solle die Kirche vor Ort trotz geringerer finanzieller und personeller Möglichkeiten besser erlebbar werden. Kirchgemeinden sollen nicht mehr nur nebeneinander existieren, sondern besser kooperieren. Diese strukturelle Veränderung brachten die Konferenzmitglieder auf Anregung der beiden Superintendenten Werner Philipp und Mitja Fritsch auf den Weg.

Ein schmerzlicher Beschluss

Sehr intensiv hatten die Konferenzmitglieder die Zukunft der Begegnungs- und Bildungsstätte Schwarzenshof diskutiert. Mit grosser Mehrheit fiel der Beschluss, Verhandlungen mit der Bethanien-Diakonissen-Stiftung zu führen, um möglichst das gesamte Anwesen zum 1. Januar kommenden Jahres an die Stiftung zu übergeben. Dem schmerzlichen Beschluss war ein zwei Jahre währender Prozess über die Zukunft der Schwarzenshofer Einrichtung vorausgegangen. Die gründliche Untersuchung des Geschäftsbetriebs sowie die Schätzung des Immobilienwerts führte zu der schmerzlichen Erkenntnis, dass «Schwarzenshof» nicht dauerhaft mit Subventionen aus Mitteln der Konferenz weiterbetrieben werden kann.

Bemühungen, einen Käufer auf dem freien Markt zu finden, waren ebenfalls erfolglos geblieben, sodass eine Übernahme durch die Bethanien-Diakonissen-Stiftung als naheliegendste Lösung in Betracht kam. Die Mitglieder der Konferenz mit einer Übergabe von Schwarzenshof an die Stiftung die Hoffnung, dass Schwarzenshof in methodistischer Hand bleibt und 🔗das Projekt «Kirche in anderer Gestalt» in diakonischer Trägerschaft weitergeführt werden kann.

Finanzielle Herausforderungen bewältigen

Wie in Zeiten knapper werdender Kassen der kirchliche Haushalt für die kommenden Jahre ausgeglichen gestaltet werden könne, war ebenfalls Thema der Konferenztagung. Ausführlich ging es dabei um das biblische Prinzip des «Zehnten». Die Konferenzmitglieder beschlossen, «sich das biblische Prinzip des ‹Zehnten›» zu eigen zu machen und «nach diesem biblischen Prinzip zu leben und mit Gott zu ‹rechnen›».

Zudem beschlossen die Konferenzmitglieder nahezu einstimmig, dass «eine klare Perspektive, wie wir als Kirche mit knappen Ressourcen arbeiten wollen» zu entwickeln sei. Dazu müssten Finanzen, Immobilien, Struktur und Personal umfassend in den Blick genommen werden. Das Thema dürfe dabei allerdings nicht nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet werden. Es sei auch eine theologische Auseinandersetzung nötig.

Selbstvergessen im Heute leben

«Sorgt euch nicht! Atmet auf – lebt im Heute!», rief Harald Rückert der grossen Konferenzgemeinde in seiner Predigt zum Abschluss der Tagung zu. Der für Deutschland zuständige methodistische Bischof erinnerte an Worte Jesu aus dem Matthäusevangelium, in denen Jesus einlädt, sich von den Sorgen des Alltags nicht entmutigen zu lassen. Rückert schlug eine Brücke zu den heutigen Sorgen und zu den Sorgen, die bei den Menschen und Gemeinden in der Ostdeutschen Konferenz vorhanden sind.

Der Auslöser für Sorgen sei, dass der Mensch heute schon sein Morgen fest im Griff haben wolle. So beschäftigten sich die Menschen mit den Sorgen von morgen. Das nehme ihnen den Atem. Deshalb sei es wichtig, im Heute zu leben, wie es Jesus betone. Rückert forderte die Konferenzgemeinde dazu auf, sich locken zu lassen, «das Evangelium in seiner wunderschönen Fülle und seiner unwiderstehlich einladenden Kraft verschwenderisch mit eurer Umgebung zu teilen». Dazu gehöre «Mut, selbstvergessen für andere da zu sein». Wer so denke und handle, komme nicht zu kurz.

Stephan Ringeis / Klaus Ulrich Ruof, emk.de / S.F.
Beitragsbild: Beschlussfassung mit Stimmkarten an der Ostdeutschen Jährlichen Konferenz im Kulturhaus der Erzgebirgsstadt Aue. (Foto: Klaus Ulrich Ruof, emk.de)

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