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Kulturwandel in der Kirche braucht Geduld, Mut und ein Umdenken

14. Juni 2024

Am Freitagvormittag setzten sich die Delegierten Jährlichen Konferenz (Kirchenparlament) der Methodist:innen aus der Schweiz, Frankreich, Belgien und Nordafrika mit dem Bericht der Distriktsvorsteherin und der Distriktsvorsteher auseinander.

Distriktsvorsteher Grégoire Chahinian stellte am Freitagvormittag der Jährlichen Konferenz den Bericht der Distriktsvorsteherin und der Distriktsvorsteher vor. Er erzählte einleitend von seinen Erfahrungen als Pfarrer in fünf Gemeinden der methodistischen Kirche in Frankreich.

Weniger Programm in der Kirche

In all diesen Gemeinden habe er die Erfahrung gemacht, dass die Agenden der Menschen in der Gemeinde mit den Angeboten der Gemeinde voll gefüllt war. So sei keine Zeit geblieben, sich ausserhalb der Gemeinde zu engagieren.

Darum habe er sich jeweils entschieden, das Programm der Kirchgemeinden zu reduzieren, aus der Überzeugung heraus, dass Christ:innen Zeit haben sollen, sich ausserhalb der Kirchgemeinde engagieren zu können.

Beziehungen wagen

Im Bericht der Distriktsvorsteher:in ging es um die Frage, was die Methodist:innen in den Herausforderungen, der sich die Kirche heute stellt, vom Vorbild von Jesus Christus lernen können. Unter anderem heisst es in dem Bericht:

«Gott der Vater hat kein theologisches Wörterbuch auf die Erde geschickt, sondern seinen Sohn: eine Person, eine Persönlichkeit, ein Beziehungswesen… Das Evangelium ist keine Methode, keine Technik, keine Theorie, kein Redeschwall; das Evangelium ist der himmlische Vater, der sich entscheidet, dass Jesus Christus Fleisch wird, ein menschliches Wesen, der in ein Verhältnis zu den Menschen tritt, der eine Geste der Liebe lebt, verkörpert durch den Sohn des himmlischen Vaters, des Allerheiligsten.»

Sich zu den Menschen hin bewegen

Der Bericht erinnert daran, dass das Handeln von Jesus dadurch geprägt ist, dass er zu den Menschen kommt und nicht darauf wartet, dass die Menschen zu ihm finden. Dabei sei er nicht mahnend, sondern freundlich. So sehr, dass sogar darüber hergezogen wurde, er sei ein «Freund von Zolleinnehmern und Sündern!» (Matthäus 11, 19) Davon solle die Kirche neu lernen.

Lange Zeit sei das Christentum und die Kirche ein Zentrum des «Dorfes» der menschlichen Gemeinschaft. Heute sei dies nicht mehr so und die Kirche müsse sich diesem veränderten Umstand anpassen. Christ:innen brauchen neu den Mut, sich selbst zu «destabilisieren». Die Aufgabe sei nicht, «Menschen zu Christus zu bringen» (eine Bewegung zur Kirche hin), sondern «Christus zu den Menschen bringen» (eine Bewegung von der Kirche zu den Menschen hin).

Wandel vom Für zum Mit

An Jesus solle sich die Art der Gemeinschaft orientieren, die die Methodist:innen leben und prägen wollen. Die Gemeinschaft fange bei Jesus nicht in erster Linie mit dem Glauben an und ende in der Zugehörigkeit, sondern sie beginne bei der Zugehörigkeit und der Glaube folge erst darauf hin. Jesus nachzufolgen, Jesus als Vorbild zu haben, bedeute heute also: Gemeinschaft mit allen Menschen leben und schauen, was Gottes Gnade in dieser Gemeinschaft bewegen will.

Über den Bericht und diese Aufforderungen sprachen die Delegierten angeregt an den Tischen. Aus diesen Tischgesprächen wurden im Plenum verschiedene Eindrücke geteilt. Immer wieder kamen verschiedene Wortmeldungen darauf zurück, wie wichtig es für die methodistische Kirche auch in Zukunft sein wird, «vom FÜR zum MIT» im Umgang mit Menschen zu kommen. Dies brauche Geduld, Mut und ein Umdenken in der Kirche und den Gemeinden.

Sarah Bach / S.F.
Beitragsbild: Grégoire Chahinian vertrat den Bericht der Distriktsvorsteherin und der Distriktsvorsteher. (Foto: S.F. / EMK Schweiz)

Übersichtsseite zur Jährlichen Konferenz

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