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Ein MAnn in den 50ern mit einem grauen Hemd, krausem Haar uzd Brille steht an einem Rednerpult. Er ist von der Seite zu sehen, im Hintergrund ist ein Kreuz erkennbar.

Umgang mit Grenzverletzungen recherchiert

14. Juni 2024

Eine im letzten Herbst vom Vorstand eingesetzte «Arbeitsgruppe Grenzverletzungen» berichtete an der Jährlichen Konferenz (Kirchenparlament) der methodistischen Kirche in Rothrist von den Ergebnissen ihrer Arbeit.

Im vergangenen Herbst hat der Vorstand der methodistischen Kirche eine «Arbeitsgruppe Grenzverletzungen» eingesetzt. Sie erhielt den Auftrag, allen Hinweisen zu möglichen Fällen der letzten 40 Jahre nachzugehen, um eine Landkarte der bekannten Vorfälle zu erstellen.

Eine «Landkarte» erstellen

Untersucht wurden die bekannten Falle. Dafür standen die Archive der methodistischen Kirche in der Schweiz und diejenigen der Kirchgemeinden offen. Es fand eine Überprüfung der jeweiligen Vorgehensweisen sowie der Zusammenarbeit mit internen und externen Stellen statt. Der Stand der Begleitung von Opfern und deren Umfeld, die Konsequenzen für die beteiligten Personen wurden aufgenommen, um mögliche Versäumnisse zu entdecken und möglichst zu beheben, um Schlussfolgerung für das weitere Vorgehen gerade auch in der Prävention zu ziehen. Dabei stand das Wohl der Betroffenen stets im Mittelpunkt aller Handlungen von Seiten der Kirche und ihrer Mitglieder. Die Mehrzahl der Fälle ist abgeschlossen. Bei einigen sind noch weitere Abklärungen nötig. Die Arbeitsgruppe verfolgt diesen Fortgang.

Schmerz ausdrücken

Schmerz und das Bedauern über das Geschehene ist gross und macht betroffen. Stefan Zolliker, der als Distriktsvorsteher den Bericht der Arbeitsgruppe vertrat, brachte seinen Schmerz mit den Worten eines Bekenntnisses zum Ausdruck, das die 🔗Generalkonferenz</, das oberste Leitungsgremium der weltweiten United Methodist Church, verabschiedet hat. Darin heisst es unter anderem:

Sexuelles Fehlverhalten ist ein aktuelles und reales Problem innerhalb der Evangelisch-methodistischen Kirche.
Wir erkennen heute an, dass es hier Menschen gibt, die von Geistlichen und Laien in der Kirche misshandelt, missbraucht und angegriffen worden sind.
Wir ehren diejenigen, die ihre Geschichten erzählt haben, und diejenigen, die mit ihren Geschichten in der Stille gesessen haben. Wir würdigen den Mut aller Überlebenden sexuellen Fehlverhaltens, einen Weg zu gehen, den sie nicht selbst gewählt haben.
Allzu oft werden diejenigen, die unter sexuellem Fehlverhalten leiden, zum Schweigen gebracht, ignoriert oder ihnen wird von der Kirche nicht geglaubt.
Sexuelles Fehlverhalten schliesst psychologischen, emotionalen und geistlichen Missbrauch ein. Diese Entschuldigung ist ein Ausgangspunkt für die Prävention und eine Reaktion auf sexuelles Fehlverhalten in der Evangelisch-methodistischen Kirche. (…)
Wir entschuldigen uns für die Zeiten, in denen wir Menschen nicht zugehört, ihre Geschichten angezweifelt, ihre Wunden ignoriert und uns nicht um ihren Schmerz gekümmert haben. Wir glauben, dass dies dazu beigetragen hat, eine unsichere Kultur entstehen zu lassen.
Eine Entschuldigung ist wertlos, wenn wir uns nicht zu der anspruchsvollen Arbeit verpflichten, die darauf folgen muss.

Hinschauen und Sensibilisieren

Stefan Zolliker forderte die Delegierten auf, sich immer wieder mit diesem Thema zu befassen und mit offenen Augen die Situationen wahrzunehmen und die Betroffenen ernst zu nehmen. Zum Ernstnehmen gehöre auch, dass von den Delegierten niemand etwaig bekannte Betroffene persönlich anspricht. Betroffene benötigen professionelle Unterstützung und keine eigenmächtigen, womöglich aus falsch verstandenem Hilfsbewusstsein vorgenommene Interventionen Einzelner. Professionelle Hilfe erhalten die Betroffenen von den offiziell zuständigen Stellen der methodistischen Kirche.

Die methodistische Kirche hat 🔗ein umfassendes Präventionskonzept seit 2019, regelmässige Schulungen für die Angestellten sind Pflicht, für die freiwilligen Mitarbeitenden werden sie dringend empfohlen. Stefan Zolliker ermutige zudem, dass Verdachtsfälle auch weiterhin gemeldet werden. Auf der Website steht dafür 🔗ein Kontaktformular zur Verfügung.

Esther Baier / S.F.
Beitragsbild: Distriktsvorsteher Stefan Zolliker stellt das Ergebnis der Arbeitsgruppe Grenzverletzung vor. (Foto: S.F. / EMK Schweiz)

Übersichtsseite zur Jährlichen Konferenz

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