Bezirk
Im oberen Bilddrittel ist eine Bühne mit Leinwand zu sehen, rechts daneben sitz ein grosser Posaunenchor, im Vordergrund ist eine gsitzende grössere Menschenmenge von hinten abgebildet.

Süddeutsche Methodisten: «Menschen in Begegnung»

19. Juni 2024

Vom 12. bis 16. Juni tagte die Süddeutsche Jährliche Konferenz, das Kirchenparlament der methodistischen Kirche für Süddeutschland. Die Konferenzsitzungen fanden in Bruchsal statt. Den Abschluss bildete am Sonntag der gut besuchte Konferenzgemeindetag in Heilbronn.

Während der Sitzungstage von Donnerstag bis Samstag stand der über zwei Jahre durchgeführte Prozess zur Veränderung der Arbeitsweise und der Strukturen in der methodistischen Kirche in Süddeutschland im Mittelpunkt. Dazu lag ein fast neunzigseitiger Bericht vor, in dem in acht verschiedenen Handlungsfeldern die bevorstehenden Veränderungen beschrieben waren und in Beschlussanträgen mündeten.

Strukturänderungen

Eine der wesentlichen Änderungen ist die Bildung grösserer Kirchen-Bezirke. Von zuvor 110 soll auf 25 solcher regionaler Verbünde mehrerer methodistischer Kirchgemeinden reduziert werden. Um der Personalsituation mit absehbar weniger ordinierten Personen im pastoralen Dienst gerecht zu werden, soll deren Arbeit in sogenannten multiprofessionellen Teams mit Jugendmitarbeiter:innen, Sozialpädagog:innen oder Geschäftsführer:innen ergänzt werden.

Ausserdem werden die Gremien verschlankt. Bisherige Doppelstrukturen, bei denen unterschiedliche Gremien ähnliche Aufgaben hatten, werden konsequent vermieden. Auch die kirchlichen Distrikte sollen neu organisiert werden. Die Superintendent:innen sollen stärker für die begleitende Arbeit zuständig sein.

Zur Information
Die Süddeutsche Jährliche Konferenz ist ein Kirchenparlament der 🔗Evangelisch-methodistischen Kirche in Süddeutschland. Ihr Gebiet umfasst die Bundesländer Bayern, Baden-Württemberg, Hessen, Rheinland-Pfalz, Saarland sowie Teile Nordrhein-Westfalens und gliedert sich in die kirchlichen Distrikte Heidelberg, Nürnberg, Reutlingen und Stuttgart. Das Kirchenparlament hat rund 450 Mitglieder und ist zuständig für 220 Kirchgemeinden in 112 kirchlichen Bezirken mit rund 25 300 Kirchengliedern und Kirchenangehörigen. (Stand 31.12.2022)

Abteilung für Immobilien-Entwicklung

Bei knapper werdenden Finanzmitteln beschliessen die Mitglieder der Konferenz, in den kommenden Jahren den kirchlichen Immobilien mehr Aufmerksamkeit zu widmen. Dazu wurde die Einrichtung einer Abteilung für Immobilien beschlossen, die ergründen soll, inwiefern mit den Immobilien auch Finanzmittel erwirtschaftet werden können. Darüber hinaus wird dieser neue Arbeitszweig die Immobilienverantwortlichen der Kirchengemeinden beraten und gegebenenfalls auch die Verwaltung von Immobilien von Kirchgemeinden übernehmen.

Leitmotiv für die kirchliche Arbeit

Intensiv diskutiert wurde ein Leitmotiv, das die kirchliche Arbeit im Gebiet der Süddeutschen Jährlichen Konferenz kurz und prägnant beschreiben soll. Mit grosser Mehrheit verabschiedeten die Konferenzmitglieder den sogenannten Claim «bring & share. Menschen in Begegnung. Evangelisch-methodistische Kirche». Dieses Leitmotiv soll in den kommenden Jahren dazu dienen, dass die Kirchgemeinden die Weite der Liebe Gottes vermitteln, indem sie Menschen ausserhalb der Kirchgemeinden begegnen und ihnen diese Erfahrung der Begegnung mit Gott nahebringen.

Verabschiedung von Bischof Harald Rückert

Mit stehenden Ovationen dankten die Mitglieder der Tagung am Samstag zum Abschluss der Plenarsitzungen Bischof Harald Rückert für seine Sitzungsleitung und seinen Einsatz, seit er im Jahr 2017 das Bischofsamt übernommen hatte. Im kommenden Jahr geht Rückert in den Ruhestand, sodass er bei dieser Konferenztagung letztmalig den Vorsitz innehatte. Im Februar kommenden Jahres wird seine Nachfolge geregelt.

Rückert bedankte sich für die wertschätzende Verabschiedung und schlug noch einmal den Bogen zum Veränderungsprozess der vergangenen zwei Jahre, der bei dieser Tagung im Mittelpunkt stand. «Wir wollen uns von Gott transformieren lassen, hin zu den Menschen», sagte er, und machte damit noch einmal deutlich, dass Veränderung nicht Selbstzweck der Kirche ist, sondern den Menschen dienen solle, an denen die Kirche einen Auftrag hat.

Sehnsucht und Sorge

In seiner Predigt am Gemeindetag zum Abschluss der Tagung nahm Harald Rückert das Konferenzmotto «Wir sehen uns!» auf. Dabei ging es um die in einer biblischen Erzählung von Jesus an einen Blinden namens Bartimäus gerichtete Frage: «Was willst du, dass ich für dich tun soll?».

Rückert konstatierte, dass es in vielen Kirchgemeinden ein Verlangen nach mehr Lebendigkeit, ein Sehnen nach Veränderung und eine Sehnsucht gebe, dass die Botschaft des Evangeliums «nicht nur in unseren Kirchen und Gemeindehäusern steckenbleibt, sondern hinkommt zu den Menschen, wo dieses Evangelium hingehört». Dieser Sehnsucht stünde gegenüber, dass viele Kirchgemeinden wegen ihres hohen Altersdurchschnitts und der nur noch geringen Gliederzahlen «Sorgen um die Zukunft» hätten. Hinzu komme, «das Leiden an der zunehmenden Bedeutungslosigkeit christlicher Kirchen in der Gesellschaft in Deutschland».

Kern der Veränderung

Den Ansatz zur Veränderung sah der Bischof in der Übernahme des Wunsches, den Bartimäus an Jesus richtete. «Erbarm dich über uns als Kirche» solle das Gebet sein, das die Methodist:innen an Jesus richten sollten. «Bei Bartimäus lag darin bereits der Kern der Veränderung», schlussfolgerte Rückert in seiner Auslegung der Geschichte.

Wer wie Bartimäus eine Bitte an Jesus richte und sehend werden wolle, brauche auch die Bereitschaft, die aufkommenden Veränderungen anzunehmen, Verantwortung zu übernehmen und weite und vielleicht auch mühsame Wege zu gehen. Nur so werde es gelingen, «die Vielfalt der Möglichkeiten, die Gott schenkt, zu entdecken und im Namen Jesu zu ergreifen». Diese Erkenntnis in die Kirchgemeinden zu tragen und dazu einzuladen, sei die Aufgabe der Konferenzmitglieder, wenn sie nach diesem Sonntag wieder in ihre Kirchgemeinden zurückkehrten.

Klaus Ulrich Ruof, emk.de / S.F.
Beitragsbild: Der Konferenzgemeindetag zum Abschluss der Tagung fand in Heilbronn statt. (Foto: Klaus Ulrich Ruof, emk.de)

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