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Die eigene Überzeugung in Demut vertreten. Bischofsrat der Methodisten tagt in den USA

November 6, 2019

Zur Eröffnung des Herbsttreffens des Bischofsrates der weltweiten United Methodist Church (UMC) forderte Bischof Kenneth H. Carter, Präsident der Bischofrates, seine Amtsbrüder auf, miteinander für eine neue Form der Einheit einzustehen.

Vom 3.-6. November fanden sich die methodistischen Bischöfe in North Carolina zu ihrem Herbsttreffen zusammen – wenige Monate vor der Tagung der Generalkonferenz 2020, des höchsten legislativen Gremiums der UMC. Viele Kirchenmitglieder rechnen damit, dass es bei deren Zusammenkunft zu einer Spaltung der Kirche kommen könnte, nachdem eine ausserordentliche Tagung der Generalkonferenz Ende Februar 2019 beschlossen hatte, in der Beurteilung von praktizierter Homosexualität die traditionelle negative Bewertung beizubehalten und die Umsetzung dieser Überzeugung im kirchlichen Handeln durch Sanktionen sicherzustellen («Traditional Plan»). Diese Entscheidung hatte weltweit zu sehr unterschiedlichen Reaktionen und tiefgreifenden Spannungen unter den Methodist/innen geführt.

Verbundenheit ist stark belastet

Bischof Kenneth H. Carter, Präsident des Bischofsrates, nahm in seiner Eröffnungsansprache direkt Bezug auf die anhaltenden Diskussionen innerhalb der Kirche und die drohende Spaltung: «Worte wie ‹Verselbständigung›, ‹Widerstand›, ‹gnädiger Ausstieg› oder ‹Auflösung› sind prägender Teil unseres Wortschatzes geworden», sagte er in seiner Ansprache. Die Verbundenheit innerhalb der UMC sei stark belastet. Zugleich unterstrich er, dass er nicht bereit sei, das Handtuch zu werfen und aufzuhören, sich für die Einheit der multinationalen und theologisch vielfältigen Konfession einzusetzen. In seiner Rede forderte er auch seine Bischofskolleg/innen auf, dass sie auf die Einheit hinarbeiten, die zu suchen sie in ihren Weihegelübden versprochen hatten.

Carter schlug vor, mit den Worten Jesu in Matthäus 22,37-40 zu beginnen, wo die Liebe zu Gott und die Nächstenliebe als die beiden grössten Gebote aufgeführt sind. «Was wäre also, wenn wir das Wesen unserer Verbundenheit als Nächstenliebe neu definieren würden?» fragte Carter seine Kollegen. «Und was wäre, wenn wir das aus einer Haltung der ‹Überzeugung in Demut› tun würden?» Der Ausdruck «Überzeugung in Demut», erklärte er, beziehe sich auf eine Haltung, die «Ehrlichkeit über die unterschiedlichen Überzeugungen, die uns trennen, mit Demut über die Art und Weise, dass und wie jede unserer Ansichten korrigiert werden muss, verbindet».

Raum für Unterschiede schaffen

Seit der Abstimmung im Februar haben eine Reihe von Gruppierungen innerhalb der Methodistenkirche Massnahmen sowohl zur Unterstützung als auch zum Widerstand gegen die Entscheide der Generalkonferenz ergriffen. Unter anderem ist das Spendenaufkommen und die Abgaben in einigen Kirchenregionen erkennbar gesunken. Wie sich die spannungsreiche Situation entwickelt, ist aktuell noch offen. Welche Form auch immer die Kirche schliesslich annimmt, Carter erwartet, dass Methodist/innen weltweit herausgefordert sind, in einer durch Spannungen gekennzeichneten Zeit weiterhin zusammenzuarbeiten. Letztendlich, so sagte er, könne die Konfession neue Wege finden, die Einheit zu leben. «Ich hoffe, dass dies mehr Raum für kontextuelle Differenzierungen schafft, während wir zugleich die Bindungen unserer missionarischen Partnerschaften stärken», sagte er. Grosse Entscheidungen über die Zukunft der UMC lägen in den Händen der 862 Delegierten der Generalkonferenz liegen. Aber in der Zwischenzeit, so Carter, hätten die Bischöfe noch eine wichtige Rolle zu spielen: «Unterstützen wir uns gegenseitig darin, Führung wahrzunehmen in einer unserem jeweiligen Kontext angemessenen Weise, und verzichten wir darauf, einander Schaden zuzufügen!», schloss er seine Rede. «Und das ist die gute Nachricht: Stellen wir uns vor, dass Gott all das benutzt, um uns in diesem Leben in der Liebe vollkommener zu machen.»

Bedeutsam auch für andere Kirchen

Zum Abschluss seiner Rede spendeten die Bischöfe Carter Standing Ovations. Bischof a. D. Mary Ann Swenson, stellvertretende Vorsitzende des Ökumenischen Rates der Kirchen, sagte, Carters Rede habe weit über die Auseinandersetzungen der United Methodist Church hinaus Bedeutung. Die Organisatoren der Vollversammlung des Ökumenischen Rates der Kirchen haben für ihr Treffen im Jahr 2021 das Thema gewählt: «Die Liebe Christi bewegt die Welt zur Versöhnung und Einheit.» Die Rede von Bischof Carter nehme Fragen auf, mit denen viele Kirchen in der ganzen Welt zu tun hätten.

An ihrem noch bis heute, 6. November, dauernden Treffen werden die Bischöfe unter anderem einen neuen Präsidenten und stellvertretenden Präsidenten des Bischofsrates wählen, die ihre Aufgabe nach der Generalkonferenz im Mai 2020 für zwei Jahre übernehmen werden.

Heather Hahn, UM News / S.F.
Beitragsbild: Heather Hahn, UM News

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