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Klimanotstand!

31. März 2021

Ein «klares Bekenntnis zum Klimanotstand, in den die gesamte Menschheit hineingeraten ist» sprechen christliche Organisationen in der Suisse romande aus – und rufen zum gemeinsamen Handeln auf.

Am 15. Januar hatten christliche Organisationen in der Suisse romande mit einer Erklärung und einer Website einen «Handlungsaufruf aus christlicher Sicht» zu Fragen des Klimawandels publiziert. Es brauche einen grundlegenden Wandel in der Art und Weise, wie die Gesellschaft mit der Erde und dem Klima umgeht, heisst es auf der Website. «Wir Christen müssen in Übereinstimmung mit unserem Glauben leben, der uns zum Handeln aus Liebe zu Gott, zu seiner Schöpfung und zu unserem Nächsten antreibt.»

Wissenschaft, Glaube, Handeln

Der Handlungsaufruf gliedert sich in fünf Teile. Die beiden ersten Kapitel (S. 4-7) sind relativ kurz. Sie geben eine Überblick über den wissenschaftlichen Forschungsstand hinsichtlich Ursache und erwarteten Folgen des Klimawandels. Ausführlicher sind die beiden folgenden Teile, die sich mit der biblischen Grundlagen für den Klimaschutz (S. 8-12) und Handlungsmöglichkeiten (S. 13-18) befassen. Ein kurzes Fazit (S. 18) schliesst den Text ab. Das Literaturverzeichnis listet naturwissenschaftliche und theologische Beiträge auf.

Unbestreitbarer Konsens

Wissenschaftlicher Konsens sei, wird in den Kapiteln zum Forschungsstand ausgeführt, dass es einen Klimawandel gibt. Zum Konsens gehöre auch, dass dieser Klimawandel durch Menschen verursacht ist. «Personen, die dies abstreiten, haben keine wissenschaftliche Grundlage, um ihre Behauptung zu begründen. In der Regel verwenden sie Informationen, die nicht vollständig, aus dem Zusammenhang gerissen, veraltet oder schlichtweg falsch sind, um die Fakten und Schlussfolgerungen in Zweifel zu ziehen.» (S.5)

Gewaltige Umwälzungen

Die zu erwartenden Auswirkungen werden an Modellrechnungen dargelegt. Die scheinbar geringen Veränderungen (um wenige Grad Celsius) könnten gleichwohl «zu ausserordentlich starken klimatischen Umwälzungen führen» (S.6). Folgen wären, dass Küstenregionen überflutet, dicht besiedelte Landstriche aufgrund der Hitze unbewohnbar, der landwirtschaftliche Gesamtertrag halbiert und viele Lebewesen aussterben würden. (S.7)

Biblische Leitwerte

«Die Bibel spricht nicht explizit über die aktuelle Klimakrise, so wie sie auch viele Themen, die uns tagtäglich betreffen, nicht erwähnt», wird zu Beginn des dritten Kapitels (S.8) festgehalten. «Biblische Werte können uns jedoch in den Fragen unserer Zeit auf konkrete und praktische Weise leiten.» In diesem dritten Kapitel werden darum theologische Zugänge zu den Fragen der Klimakrise gesucht. Unter anderem werden sechs «theologische Prinzipien für den Klimaschutz» beschrieben. Die Bibel zeige definitiv, dass die Sorge für die Schöpfung eine christliche Aufgabe ist.

Konkrete Handlungsschritte

Wie aber sieht das konkret aus? Im vierten Kapitel werden «Handlungsmöglichkeiten» dargelegt. Anhand vier unterschiedlicher Lebensstile konkretisiert der Handlungsaufruf, welche grundsätzlichen Veränderungen notwendig sind. Dann folgen konkrete Vorschläge, wie einzelne ihre CO2-Emissionen reduzieren können. Sie können das etwa, indem sie auf Flugreisen verzichten, öffentliche Verkehrsmittel nutzen, die Ernährung umstellen, weniger und anders einkaufen. Damit auch gesellschaftlich Veränderungen greifen, werden auch politische Handlungsschritte angedeutet.

Markant und bekannt

Der Handlungsaufruf spricht eine klare und markante Sprache. Nichts darin ist allerdings wirklich neu. Deshalb ist der Weg bis zu den konkreten Handlungsschritten relativ lang. Auch dort ist dann nichts Neues zu lesen.

Drohbotschaft

Gearbeitet wird im Handlungsaufruf hauptsächlich mit «Schreckensszenarien». Das erinnert an biblische «Endzeitszenarien». Obwohl immer wieder auf die Hoffnung Bezug genommen wird, bleibt das eher eine Worthülse. Eine wirklich hoffnungsvolle Vorstellung eines veränderten Lebens(stils), taucht nicht auf. Das teilt der Handlungsaufruf mit vielen anderen, auch nicht-kirchlichen Äusserungen zur Sache.

Ungeklärte Beziehung

Überraschend ist der Einstieg mit der wissenschaftlichen Erkenntnis, die quasi (nur in dieser Hinsicht?) unhinterfragbar ist. In der oben zitierten Formulierung erhält diese wissenschaftliche Einsicht einen quasi sakrosankten Status. Dahinter schlummert vielleicht ein – zur Zeit auch aufgrund der Coronakrise wieder virulentes – ungeklärtes Verhältnis von Glaube und Wissenschaft.

Umdenken bewirken

Mit diesem Handlungsaufruf geht es mutmasslich darum, eher konservativere christliche Kreise, die dazuhin noch eher eine skeptische Haltung zur Klimaveränderung einnehmen, zu einem Umdenken zu bewegen. Ob das gelingt – und auf diese Weise gelingen kann – wird sich zeigen.

S.F.
Beitragsbild: LoggaWiggler, Pixabay

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