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Edward Khegay, Christian Alsted, Harald Rückert und Patrick Streiff

Europäische Methodisten bereiten sich auf mögliche Trennung vor

15. Mai 2021

Vier für Europa und Eurasien zuständige methodistische Bischöfe starten einen gemeinsamen Vorstoss für die Zukunft der Methodistenkirche in Europa für den Fall, dass die erwartete Trennung der weltweiten Methodistenkirche eintritt.

«Wir können nicht einfach die Hände in den Schoss legen und warten, bis die Generalkonferenz gehandelt hat», sagte der Bischof für die nordische und baltische Region, Christian Alsted, in einer Presseerklärung vom 11. Mai. «Wir müssen proaktiv für die Zukunft denken und uns vorbereiten und uns für so viel Einheit und missionarische Kraft wie möglich einsetzen.»

Trennung wird erwartet

Im Hintergrund steht die anhaltende Diskussion über den Kurs der Kirche in sexualethischen Fragen, besonders hinsichtlich der Segnung gleichgeschlechtlicher Partnerschaften und der Ordination Homosexueller. Bei der voraussichtlich im Spätsommer 2022 tagenden Generalkonferenz, dem weltweit höchsten Leitungsgremium der Methodistenkirche, wird eine Trennung von Teilen der Kirche erwartet. Vorlagen für diese Konferenz bieten für die Lösung des seit Jahrzehnten schwelenden Konflikts eine respektvolle und faire Trennung an.

Gelingt eine Integration?

Sollte die Generalkonferenz so beschliessen, können Zentralkonferenzen (Bischofsgebiete) und Jährliche Konferenzen (Synoden) die Kirche verlassen, um eine neue methodistische Denomination zu gründen oder sich mit dieser zu vereinigen. Diese Situation stellt die Methodistenkirche in verschiedenen Regionen vor die Frage, ob und wie unterschiedliche Überzeugungen in der fortbestehenden Methodistenkirche integriert werden können oder wie stark die Tendenzen zur Trennung sind.

Unterschiedliche Signale

Mehrere europäische Jährliche Konferenzen haben angedeutet, dass sie im Fall einer Trennung bei der weltweiten Methodistenkirche (United Methodist Church) zu bleiben planen. Andere Konferenzen erwarten, sich einer neuen, traditionell geprägten Denomination anzuschliessen. Wieder andere Konferenzen nehmen eine abwartende Haltung ein.

Informierte Entscheidung ermöglichen

Die vier europäischen Bischöfe, Christian Alsted, Eduard Khegay, Harald Rückert und Patrick Streiff, stossen deshalb für die Zukunft der Kirche in Europa Überlegungen an, um auf mögliche Trennungen und eine dann eventuell nötige Neuordnung der methodistischen Landkarte Europas vorbereitet zu sein. Auf den verschiedenen Ebenen der Kirche wollen sie eine informierte Entscheidung über die weitere Zugehörigkeit zur Kirche oder über eine Trennung ermöglichen.

Eine europaweite Arbeitsgruppe

Dazu schlagen sie die Bildung einer Arbeitsgruppe vor, die nach der Tagung der Generalkonferenz im Herbst 2022 ihre Arbeit aufnimmt. Deren Aufgabe solle sein, die Arbeit der Methodistenkirche in Europa neu zu ordnen, wenn auf Weltebene der Kirche eine Trennung erfolgte. Alle Jährlichen Konferenzen, die sich für einen Verbleib in der United Methodist Church entscheiden, sollen Mitglieder in die Arbeitsgruppe entsenden, um über neue Strukturen, sich ändernde geografische Einteilungen und die Auswirkungen auf die bischöfliche Leitung zu beraten.

Grosse strukturelle Veränderung

In jedem Fall erwarten die vier Bischöfe, dass die Trennung zu grossen strukturellen Veränderungen führen wird. Trennungen könnten dazu führen, dass einzelne Zentralkonferenzen zu klein werden, um weiterhin also solche bestehen zu können. Vielleicht werde es in Zukunft weniger Bischöfinnen oder Bischöfe in Europa geben.

Bischöfe entscheiden unterschiedlich

Ihre eigene Zukunft in einer sich trennenden Kirche sehen die vier Bischöfe unterschiedlich: Der für Eurasien zuständige Bischof Eduard Khegay bedauert, dass sich seine «geliebte United Methodist Church spalten könnte». Wenn die Generalkonferenz allerdings die Öffnung der Kirche in sexualethischen Fragen ermögliche, werde er zusammen mit dem Bischofsgebiet Eurasien der neu entstehenden, traditionell ausgerichteten Denomination beitreten. Alsted, Streiff und Rückert hingegen wollen in der United Methodist Church bleiben – und dabei ermöglichen, dass Menschen mit unterschiedlichen Ansichten in dieser Kirche Heimat finden können..

Der Glaube verbindet über Unterschiede

Der für die Zentralkonferenz Mittel- und Südeuropa zuständige Bischof Patrick Streiff weist auf die in manchen Ländern sehr unterschiedliche Situation hinsichtlich staatlicher Gesetzgebung, christlich oder muslimisch geprägter religiöser Umgebung und anderer Themen hin. In seinem Bischofsgebiet fänden sich methodistische Christ/innen, «die – in gutem Glauben – die Bibel hinsichtlich gleichgeschlechtlicher Beziehungen unterschiedlich lesen und verstehen, auch wenn sie alle an Jesus Christus als ihren Herrn und Retter glauben».

Ein starkes Signal

Harald Rückert, der für Deutschland zuständige Bischof, sieht in dem gemeinsam getragenen Vorstoss «ein sehr starkes Signal». Trotz unterschiedlicher Meinungen innerhalb der Methodistenkirche in Europa gehe es darum «ein ehrliches und respektvolles, mutiges und zukunftsorientiertes Gespräch zu führen». Dafür seien «die über viele Jahrzehnte gewachsenen Beziehungen, die selbst die Zeiten der politischen Trennung Europas überdauert haben, eine gute Basis».

Klaus Ulrich Ruof, emk.de / Heather Hahn, UMNS / S.F.
Beitragsbild: Die Bischöfe Edward Khegay, Christian Alsted, Harald Rückert und Patrick Streiff (im Uhrzeigersinn von oben links). (Bild via UMNS)

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Weiterführende Links

Pressemeldung (deutsche Übersetzung)
Pressemeldung (englisches Original)

Die drei von den Bischöfen erarbeiteten Dokumente

Towards the Future
On Separation from the UMC
A Task Force Mandate for the Continuing UMC

Generalkonferenz

Die Generalkonferenz ist das oberste Leitungsgremium der weltweiten Methodistenkirche (United Methodist Church). Die Konferenz kann das Kirchenrecht revidieren und Resolutionen zu aktuellen moralischen, sozialen, politischen und wirtschaftlichen Fragen verabschieden. Sie genehmigt auch Programme und Budgets für kirchenweite Aktivitäten. Die für 2020 vorgesehene Tagung in Minneapolis (USA) ist inzwischen auf den 29. August bis 6. September 2022 verschoben worden.

Weitere Meldungen zur Generalkonferenz

Zentralkonferenz

In Afrika, Europa und auf den Philippinen bilden die Jährlichen Konferenzen (Synoden) einer grösseren Region sogenannte Zentralkonferenzen. In Europa sind dies die Zentralkonferenz Mittel- und Südeuropa, die Zentralkonferenz Nordeuropa und Eurasien sowie die Zentralkonferenz Deutschland. Diese drei Zentralkonferenzen erstrecken sich über 32 Länder und zehn Zeitzonen in Europa und Asien. Die Zentralkonferenz bildet eine administrative Einheit, die die gemeinsame Arbeit und Mission koordiniert und auch ihren Bischof oder ihre Bischöfin wählt. Die an eine Zentralkonferenz entsandten Delegierten sind zu gleichen Teilen Laien und pastorale Mitglieder. Die Jährliche Konferenz (Synode) Schweiz-Frankreich-Nordafrika ist Teil der Zentralkonferenz von Mittel- und Südeuropa, deren Bischof seit 2006  Dr. Patrick Streiff (Zürich) ist. 15 weitere Länder von Polen bis Nordafrika gehören zu dieser Zentralkonferenz.