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Bild: Monika und David Brenner

«Es ist für uns ein Privileg, in Bolivien zu sein»

20. Dezember 2022

Monika und David Brenner leben seit vier Jahren in Bolivien und beraten Projektverantwortliche der Methodistenkirche in Bolivien, Argentinien und Chile. Im Gespräch erzählen sie, was sie an ihrer Arbeit fasziniert, was sie von den Menschen in Bolivien lernen und welches Souvenir ganz sicher mitkommt, wenn sie in einem Jahr in die Schweiz zurückreisen werden.

Seit Herbst 2018 arbteiten Monika und David Brenner als Koordinationspersonen in Südamerika für Connexio hope und Connexio develop, die Organisationen für kirchliche Zusammenarbeit und Entwicklungszusammenarbeit der Methodistenkirche. Sie begleiten die Projekte und schaffen die Verbindung zwischen den Partnerorganisationen und Connexio. Ihren vierjährigen Vertrag haben sie bis Herbst 2023 verlängert.

Leeres Haus

Monika und David Brenner mögen sich gut an ihre ersten Eindrücke erinnern, nachdem das Flugzeug in Cochabamba gelandet war. David dachte: «Jetzt ist es Realität.» Monika weiss, dass sie sich gefreut hat. «Und dann war niemand dort, wir riefen ein Taxi und kamen in ein leeres Haus. Aber bald darauf kamen Leute, die uns einen Kühlschrank brachten, und es war alles gut. Wir wurden offiziell begrüsst. Heute wäre das für mich kein Kulturschock mehr.»

Paradies und Abenteuer

Bittet man die beiden, das Leben in Bolivien in einem Satz zu beschreiben, so antwortet David: «Leben in Bolivien ist für mich ein bisschen wie Leben im Paradies wegen den Früchten, die es in grosser Vielfalt gibt.» Für Monika ist es wie ein grosses Abenteuer. Obschon es mit der Coronapandemie nicht einfach war und sie am Anfang nur rudimentär Spanisch sprachen, sind sie überzeugt: «Es ist unser Weg, den Gott uns gezeigt hat, und es ist gut, dass wir da sind. Es ist ein Privileg, in einer anderen Kultur zu leben.» Monika findet: «Es ist schön, dass sich unsere Partner nie beschwert haben – schickt uns bitte Leute, die richtig Spanisch können!» Wichtiger sei es, Beziehungen zu schaffen, dann habe man die Menschen auf seiner Seite. Beide sind dankbar für das Vertrauen, das ihnen entgegengebracht wird.

Es kommt anders gut

Dass man in Bolivien mit Spontaneität und aus dem Moment heraus lebe, sei eine Haltung, die auch etwas Entlastendes habe, findet David. «Es kann auch anders kommen, als ich gedacht habe, und trotzdem kommt es gut. Was geplant wurde, ist nicht mehr wichtig. Es ist etwas Besseres herausgekommen». «Mir sagen die Leute oft: mach dir keine Sorgen», meint Monika. «Ich habe es nicht so gern, wenn es nicht so kommt, wie ich es gedacht habe. Aber ich kann offen sein für den Moment und mir sagen: jetzt ist etwas anderes wichtig, und es kommt schon gut. Manchmal muss ich das Tempo anpassen und das machen, was möglich ist.»

Kulturell übersetzen

Was heisst es, Koordinationspersonen zu sein? David sieht es so: «Mir gefällt das Bild der Drehscheibe. Verknüpfen, anregen, auf etwas hinweisen, Fragen stellen. Und übersetzen: von der bildhaft-erzählenden Sprache in die effiziente Sprache von uns, die die Dinge auf den Punkt bringen will.» Besonders fasziniert ihn das Friedensprojekt in Chile, das Siedler und die Mapuche-Urbevölkerung ins Gespräch bringt: «Frauen und Männer aus der Mapuche-Kultur versuchen im Kleinen den Dialog zu fördern und Techniken für den Frieden zu lernen – statt mit Gewalt, Waffen und Feuer zurückzuschlagen.»

Nichts überstülpen

Für Monika bedeutet koordinieren: vermitteln, übersetzen, Geduld lernen, eine Schlaufe mehr machen… Oder erklären, dass wenn das Geld aufgebraucht ist, Connexio die nächste Tranche nicht schon im Juli schicken kann, sondern, wie geplant ,im September. Für ihre Arbeit ist ihr wichtig, anderen nichts überzustülpen: «Es muss in der Person selbst wachsen. Ich kann nachfragen: Was denkst du? Oft sagen die Menschen hier zunächst ‹ja› aus Höflichkeit.»

In Beziehung sein

Monika ist gerne mit den Menschen zusammen, zum Beispiel bei einem Workshop oder an einem Jugendtreffen. «Den Puls wahrnehmen und spüren, wo sie dran sind.» Sie freut sich über ein Projekt, das Familien in Bolivien anleitet, Gemüsegärten anzulegen und so deren Gesundheit verbessert. Oder mitzuerleben, wie eine kleine Gemeinde ganz im Süden von Argentinien aufgebaut wird: «Ich habe diese Leute besucht und darum auch eine Beziehung zu ihnen aufgebaut.»

Einander stützen

David hatte vor der Ausreise gesagt, er sei dankbar, dass seine geliebte Frau Monika ihn auf diesem Weg begleitet und sie sich hoffentlich gegenseitig stützen können. War das nötig in den vergangenen vier Jahren? David denkt nach: «Ja, das ist sehr viel wert. Wir können in Mundart reden. Überhaupt ist es wichtig, mit jemandem zu reden über das, was einen beschäftigt, etwas zu Boden reden. Und einander ergänzen im Alltag beim Kochen, Bügeln und vieles mehr. ich hoffe, Moni, du siehst es auch so?» Monika stimmt zu: «Ja, oder man kann auch mal zusammen über jemanden oder etwas schimpfen.»

Hängesessel und Projektideen

Bereits machen sie sich erste Gedanken, was mit in die Schweiz kommt, wenn sie in einem Jahr endgültig zurückreisen. Für Monika ist es ein gewobener Hängesessel, der unbedingt ein Plätzchen haben muss. «Und Erinnerungsbilder von schönen südamerikanischen Landschaften», ergänzt David. Vorerst gibt es aber noch neue, interessante Ideen für Sozialprojekte von den Partnerorganisationen, Anträge und vieles mehr zu erarbeiten.

Nicole Gutknecht, Connexio hope und Connexio develop
Bild: Monika und David Brenner (Foto: zVg, privat)

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Monika und David Brenner leben in La Paz und beraten die Projektverantwortlichen der Methodistenkirchen in Argentinien, Bolivien und Chile.

Kirchliche Projekte: Laienarbeit, Jugendarbeit, Pfarrerweiterbildung:
Connexio hope, Zürich, CH09 0900 0000 1574 7657 4 mit Vermerk «Lateinamerika»

Entwicklungsprojekte: Bildung, ländliche Entwicklung, Friedensprojekt:
Connexio develop, Zürich, CH44 0900 0000 1574 7157 9 mit Vermerk «Lateinamerika»